Donnerstag, 21. März 2013

Zuri geht auf Reisen

DHL wirbt mit Giraffen. Warum ist es dann so teuer, eine zu transportieren?
Ich sitze hier im Sessel in unserem Häuschen in Moshi, trinke ein eiskaltes Serengeti-Bierchen (und sage euch nicht, dass wir hier 27 Grad haben - ihr könntet ja neidisch werden). Ach so, ja, und ich erhole mich von einem echt anstrengenden Tag. Heute stand auf dem Plan: Wir schicken unsere Giraffe Zuri (das ist das Wort für "schön" in Kiswahili) auf Reisen. Um es gleich vorweg zu nehmen - ich sehe ab sofort unsere Post in Arnstadt mit ganz anderen Augen. Denn was sind schon 15 verwartete Minuten im Vergleich zu 15 Stationen, um mit DHL eine Holzkiste zu versenden? Richtig. NICHTS. Das heute war jedenfalls wieder einmal ein bürokratischer Spießrutenlauf, der auch bei Asterix gut in Szene gesetzt hätte werden können.

Dabei begann der Tag mit einer positiven Überraschung. Wir hatten Saidi gebeten, uns einen Pick-Up zu ordern, mit dem wir die schwere Kiste samt Zuri und ein paar unserer überzähligen Klamotten zu DHL bringen wollten. Eine Viertelstunde vor der Zeit rief Saidi an und sagte, dass sie auf dem Weg seien. Wir glaubten, ins Rose Home, wo Zuri auf die Abreise gewartet hatte. Aber nein, sie waren schon bei DHL. Also wir schnell da hin, rein, Begrüßungszeremonie mit dem Vorzimmer-Bübchen, der zwar alle empfängt, aber von nichts eine Ahnung hat. Dann Begrüßungszeremonie mit der Mama, die die Chefin vom Bübchen ist und immer chefmäßig mürrisch schaut.

Wir hatten sie schon zweimal aufgesucht, einmal kurz nach Zuris Geburt im Herbst, einmal vor zwei Wochen. Beide Male hatte sie uns den gleichen Preis genannt und darauf verwiesen, dass die Kistenmaße bis zu einem Gewicht von 132 Kilogramm entscheidend für den Transportpreis seien. Beim ersten Mal hatte sie noch gesagt, wir müssten ein Zollpapier selbst besorgen, beim zweiten Mal erklärte sie, alle Formalitäten würden für uns durch DHL erledigt.

Nun, heute war sie besonders mürrisch drauf und erklärte uns, dass wir die Giraffe, die ja aus Holz sei, nur verschicken könnten, wenn wir zum einen eine Unbedenklichkeitserklärung des Handwerkers und der Forstbehörde bezüglich der Holzart auftreiben, zum anderen eine Bestätigung, dass die liebe  Giraffe keine unfreundlichen Untermieter mit nach Deutschland bringt. Zum Glück hatten wir Saidi dabei, der im Folgenden mit dem Regionalmanager telefonisch halbwegs klären konnte, wo denn die entsprechenden Büros zu finden seien.

Also ging es los zur Station 2, dem Handwerker. Respektive Künstler. Den fanden wir schnell, weil wir ja wussten, wo er arbeitet. Er erklärte uns, dass er zertifiziert sei, was die Unbedenklichkeitserklärung bei der Forstbehörde erleichtern sollte. Beim Material handele es sich um Mangobaumholz, versicherte er, völlig ungefährlich also, da auf keiner Gefährdungsliste. Er nannte uns dann noch einen Freund von ihm, Adam, der uns ein Schädlingszertifikat ausstellen könne.

Station 3 war die Forstbehörde. Da der Zuständige noch unterwegs war, rauschten wir gleich zu Station 4 weiter. Aber auch Adam war unauffindbar, das Büro verschlossen, also zurück zur Forstbehörde (Station 5). Dort war der Zuständige eingetroffen und benahm sich wichtig. Saidi erklärte ihm alles geduldig und schließlich waren wir an einem Punkt angekommen, an dem sie die Giraffe sehen wollten. Also wieder mal zur Post (Station 6), Kiste auf, Polsterung weg, Zuri zeigen, kurz anheben, zufriedenes Nicken konstatieren, Kiste zu, zurück zur Forstbehörde (Station 7).

Dort ließ sich der Wichtige die Quittung für Zuri zeigen und erklärte dann, dass man bei Gegenständen mit einem Wert von über 300 US-Dollar davon ausgehe, dass sie kommerziell verwendet werden. Was das bedeutet, erfuhren wir sogleich, als nämlich der Preis für die Unbedenklichkeitsbestätigung von 40 auf 100 Euro sprang. Das brachte Saidi und mich dazu, zurück zum Künstlerdorf (Station 8) zu fahren, um dort eine neue Quittung zu erbeten, die den Preis unter 300 Dollar senkt. Damit fuhren wir dann zu einer anderen Zertifizierungsstelle (Station 9), um dort zu erfahren, dass der Verantowrtliche leider heute bei einem Freund in Arusha sei. Dorthin wollten wir dann doch nicht fahren, also zurück zur Forstbehörde (Station 10), wo man unseren Quittungstrick selbstverständlich grinsend durchschaute und wir um die 100-Euro-Zahlung nicht herumkamen.

Der Wichtige bei seiner schweren Arbeit.
Dann brachte es der Wichtige fertig, mit großer Mühe ein Formular auszufüllen, um es nach der Vollendung irgendwie für blöd zu befinden und ungültig zu machen. Der zweite Versuch hatte dann Erfolg. Dass er beim nächsten Dokument dann das Durchschlagpapier falsch herum legte, merkte er zum Glück nicht, als er es uns gab. Hier erhielten wir nämlich nur das Original. Als dann auch noch die Quittung ausgestellt war, verließ er den Raum, um nach ein paar Minuten mit so einem Heftklammerdingens wiederzukommen. Als er wieder hinter seinem Schreibtisch Platz genommen und die Papiere geordnet hatte, stellte er fest, dass keine Heftklammern in dem Dingens (ach ja, es heißt Klammeraffe) waren. Knurrend rief er seine Vorzimmerdame, brachte aber dann doch selber ein weiteres Gerät aus den Tiefen seiner Schublade hervor. Zwei stümperhafte Versuche misslangen, als Saidi ihm dann vorschlug, er könnte es zum Klammern auch auf den Tisch stellen, hatte er dann doch Erfolg. Wieder verließ er den Raum, um mit einem Stempel und einem Stempelkissen wiederzukommen. Und? Richtig. Hinter dem Schreibtisch sitzend, fiel ihm auf, dass es der falsche Stempel war. Also knurrte er wieder nach seiner Sekretärin und die brachte das gewünschte Utensil.

Und schwuppdiwupp - schon waren wir draußen. Weiter ging es zu Station Nummer 11, der Verwaltung von Moshi. Dort, so hatten wir in Erfahrung gebracht, würden wir auch das Ungeziefer-Zertifikat bekommen. Nichts wie hin also. Schnell wurden wir zum Chef vorgelassen, der uns gelangweilt erklärte, dass das ja wohl totaler Quatsch sei und wir so ein Zertifikat nicht bräuchten, weil die Giraffe ja aus Holz und somit nicht zum Essen sei. Okay, dachten wir uns, da fahrfen wir halt wieder zu Adam (Station 12). Der war zwar immer noch nicht da, aber ein Kollege und eine Kollegin. Die sagten uns, dass wir sowas zwar nicht bräuchten, aber wenn wir es unbedingt wollten, würden sie mal schauen, wo wir eins bekommen könnten.

Auf der Parkbank sitzend warteten wir, was da passiert. Dann verschwand auch Saidi, um mich kurz darauf zu rufen. Wir nahmen die Dame mit ins Auto und fuhren durch die Stadt bis zu einem Bürohaus. Dort suchten wir einen Ungeziefer-Sachverständigen auf. Der hörte sich unsere Geschichte an, schaute sehr kompetent drein und fragte allerhand Dinge zum Gesundheitszustand von Zuri, zu Kinderkrankheiten und vor allem zu allen Formen von Wurmbefall. Wir berichteten wahrheitsgemäß, dass wir sie schon zwei Mal medikamentös behandelt haben und dass sie seitdem beschwerdefrei sei. Also eigentlich, erklärte uns der Mann, müsste er ja jetzt die Giraffe und die Kiste untersuchen, sie behandeln, und dann könnte er uns vielleicht das Zertifikat ausstellen. Seinen Blick nach draußen, wo gerade ein Regenguss niederging, deuteten wir richtig - eigentlich hatte er keine Lust dazu. Wir auch nicht, also sagte ich, dass uns das Zertifikat allein völlig ausreichen würde. 100 Euro wollte er dafür haben (ist wohl ein Standardpreis hier). Immerhin ließ er sich auf 50 Prozent runterhandeln und wir hatten auch das Zertifikat. Unsere freundliche Begleiterin brachten wir zurück zu Adam (Station 14), der immer noch nicht da war, um dann zum Finale bei DHL einzulaufen. Das heißt, vorher holte Heike noch eine Flasche Wasser und ein paar Brötchen gegen den Hunger und ich ein bisschen Geld, um die Transportgebühr bezahlen zu können.

Ein letzter Blick auf Zuris Kiste? Wir werden es sehen.
Erstaunt registrierten wir, dass unsere Papiere nun offensichtlich vollständig waren. Also galt es, die Transportdokumente auszufüllen. Gesagt, getan. Dann gab es den Schock des Tages. Der Transport sollte plötzlich 500 Euro teurer sein als vorher gesagt. Wahnsinn! Alles diskutieren nutzte nichts. Der Unfähige duckte sich hinter seinen Tresen, die Mürrische beteuerte, auch nur ein Mensch zu sein und auch mal Fehler machen zu dürfen. Ja, aber zwei Mal exakt den Gleichen?! Offenbar ist sie einfach noch unfähiger als der Unfähige, und der ist wenigstens noch freundlich. Zumindest machte ich ihr so ein schlechtes Gewissen, dass sie ihren Chef anrief, der dann zwar nicht nach zehn, aber immerhin doch nach 30 Minuten eintraf. Ihm erzählte ich die rührende Geschichte von der kleinen Giraffe, den großen Fehlinformationen, dem bürokratischen Hürdenlauf und meinen schwindenden Vertrauen in das deutsche Vorzeigeunternehmen DHL.

Die Kiste wurde durch ihn zum fünften Mal an diesem Tag vermessen, und interessanterweise hatten sich die Maße immer noch nicht verändert. Er rechnete auf und ab, hin und her, kam aber zu keinem anderen Ergebnis als dem, dass seine Mitarbeiterin uns die ersten Male völligen Stuss und auch heute noch einmal Mist erzählt hatte, weil unter Hinzurechnung von Steuer und Kerosinzuschlag und was weiß ich wem der Betrag sogar 600 Euro teurer sei als uns zunächst benannt. Er wand sich ein bisschen, war dann aber bereit, uns nur 250 Euro zusätzlich abzuknöpfen. Was soll ich sagen - schon sieben Stunden nach dem ersten Betreten des DHL-Büros hatten wir den Versendevorgang abgeschlossen. Da bleibt nur noch zu sagen: Danke Saidi, bist echt ein Held, ohne Dich hätten wir dafür vemutlich länger gebraucht, als Zuri bis Deutschland benötigt. Hoffentlich schafft sie es auch bis nach Hause. Kleine Warnung schon mal an Karina und Ralf: Das Kistchen wiegt 118 Kilogramm.

Ach so, ein kleines Detail am Rande. Ein deutsches Pärchen betrat mit einem DIN-A4-Umschlag das DHL-Büro und wollte diesen nach Deutschland versenden. Einfach so, nicht per Einschreiben, Express oder sonstwelchen Extras. Kein Problem, sagte der Unfähige. Und fragte die Mürrische, was er machen soll. Die knurrte ihm zu, wo es steht, und er sagte dem Pärchen freudestrahlend, dass das nur knapp 40 Euro kostet. Ein kurzer Blick mit großen Augen zu seiner Begleiterin - ach nein, sagte er, da gehen wir mal lieber zur Post. Was zeigt, dass Tansania doch was Gutes hat. Denn hier hat die Post mit DHL nichts zu tun.

1 Kommentar:

  1. Und unsere Urlaubskarten sind nach 5 Wochen auch noch nicht angekommen ! Soviel zur Post ! :-)

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